Krankheiten und Gefahren im Wald
Servus Leute,
wer durch den Wald wandert, möchte die Natur genießen und den Alltag hinter sich lassen. Eine Zecke am Bein, ein verstauchter Knöchel oder eine überraschende Begegnung mit Wildschweinen passen da eher schlecht ins Programm. Ein wenig Vorbereitung hilft, damit aus solchen Begegnungen möglichst keine größeren Probleme werden.
Hier habe ich die Gefahren zusammengetragen, die man als Wanderer kennen sollte, und vor allem die Dinge, die man selbst dagegen tun kann.
Zecken
Wenn von gefährlichen Tieren die Rede ist, denken die meisten vermutlich an Wölfe, Bären oder Wildschweine. Beim Wandern lohnt es sich allerdings, auch die deutlich kleineren Waldbewohner im Blick zu behalten. Zecken können Krankheitserreger übertragen, insbesondere die Bakterien der Lyme-Borreliose und die Viren der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME.
Der bei uns häufige Gemeine Holzbock wartet auf Gräsern, an Sträuchern und im Unterholz auf einen passenden Wirt. Streift man daran vorbei, lässt er sich abstreifen und sucht anschließend eine geeignete Stelle zum Stechen. Weil der Stich meist unbemerkt bleibt, kann die Zecke dort eine ganze Weile sitzen, bevor man sie entdeckt.
Borreliose
Borreliose kommt in ganz Deutschland vor. Die Erkrankung wird durch Bakterien ausgelöst und kann insbesondere Haut, Gelenke und Nervensystem betreffen.
Ein häufiges Warnzeichen ist die sogenannte Wanderröte: eine Hautrötung, die sich über Tage ausbreitet und oft erst einige Tage oder Wochen nach dem Stich auffällt. Sie muss nicht wie ein sauber gezeichneter roter Ring aussehen. Wer eine solche Veränderung bemerkt, sollte sie zeitnah ärztlich abklären lassen. Eine typische Wanderröte kann bereits anhand ihres Erscheinungsbildes diagnostiziert werden.
Auch Fieber, ungewöhnliche Abgeschlagenheit oder andere Beschwerden nach einem Zeckenstich sollte man beim Arzt ansprechen. Dabei hilft der Hinweis, wann und wo man die Zecke entdeckt hat.
Früh erkannt lässt sich eine Borreliose in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Bluttests können die Diagnose unterstützen, haben aber ihre Grenzen: Zu Beginn der Erkrankung sind möglicherweise noch keine Antikörper nachweisbar. Umgekehrt können Antikörper von einer früheren Infektion stammen. Ein positiver Test allein bedeutet deshalb nicht, dass gerade eine behandlungsbedürftige Borreliose vorliegt.
Nach einem Zeckenstich werden in Deutschland auch nicht routinemäßig vorsorglich Antibiotika empfohlen. Entscheidend sind die Beschwerden und der ärztliche Befund.
FSME
FSME wird durch Viren verursacht und tritt vor allem in bestimmten Risikogebieten auf. Dazu gehören weite Teile Süddeutschlands. Wer auf dem Westweg unterwegs ist, sollte sich deshalb rechtzeitig vor der Tour mit seinem Impfschutz beschäftigen. Die jeweils aktuelle Übersicht findet ihr auf der Karte der FSME-Risikogebiete des Robert Koch-Instituts.
Viele Infektionen bleiben ohne Beschwerden. Bei einer Erkrankung können zunächst Fieber und grippeähnliche Symptome auftreten. In schweren Fällen entzünden sich Hirnhäute, Gehirn oder Rückenmark; dabei sind auch bleibende Schäden möglich. Eine gezielte Behandlung, die das FSME-Virus beseitigt, gibt es bislang nicht.
Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Die STIKO empfiehlt die Impfung Menschen, die in Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind. Ich habe mich dafür entschieden und damit eine Sorge weniger. Für die Planung lohnt sich ein frühzeitiger Blick in den Impfpass, denn der Schutz wird über mehrere Impfungen aufgebaut. Gegen Borreliose schützt die FSME-Impfung allerdings nicht.

Wie schütze ich mich unterwegs?
Viel lässt sich bereits mit Kleidung und ein paar Gewohnheiten erreichen:
Möglichst auf den Wegen bleiben. Besonders beim Streifen durch hohes Gras und dichtes Unterholz sammelt man leicht Zecken ein.
Geschlossene Schuhe und lange Hosen tragen. Wer die Hosenbeine in die Socken steckt, erschwert den Zecken den direkten Zugang zur Haut. Einen Schönheitspreis gewinnt man damit vielleicht nicht, aber den braucht man im Wald auch nicht unbedingt.
Auf heller Kleidung erkennt man Zecken leichter. So kann man sie oft schon entfernen, bevor sie unter die Kleidung gelangen.
Nach der Wanderung den Körper gründlich absuchen. Kniekehlen, Leisten, Achseln und andere geschützte Stellen verdienen besondere Aufmerksamkeit; bei Kindern auch Kopf und Haaransatz. Die Kleidung sollte man ebenfalls kontrollieren.
Zusätzlich können Zeckenschutzmittel, beispielsweise mit Icaridin oder DEET, helfen. Auf dem Produkt sollte ausdrücklich eine Wirkung gegen Zecken angegeben sein. Wie häufig man nachtragen muss und für welches Alter es geeignet ist, steht in der Gebrauchsanweisung.
Auf selbst gemischte ätherische Öle würde ich mich für eine längere Wanderung nicht verlassen. Ihre Wirkung ist häufig kürzer und weniger zuverlässig, außerdem können auch pflanzliche Inhaltsstoffe die Haut reizen.
Was tun, wenn eine Zecke schon fest sitzt?
Eine entdeckte Zecke möglichst sofort entfernen. Dafür eine geeignete Pinzette möglichst dicht über der Haut ansetzen und die Zecke langsam herausziehen. Den vollgesogenen Körper dabei nicht zusammendrücken. Eine Zeckenkarte oder ein anderes geeignetes Werkzeug kann ebenfalls helfen; hier richtet man sich nach der jeweiligen Anleitung.
Öl, Klebstoff und ähnliche Hausmittel gehören nicht auf die Zecke. Nach dem Entfernen die Einstichstelle reinigen beziehungsweise desinfizieren. Eine kleine Pinzette oder Zeckenkarte lässt sich problemlos im Erste-Hilfe-Set unterbringen.
Je früher die Zecke entfernt wird, desto besser lässt sich insbesondere das Borreliose-Risiko verringern. FSME-Viren können dagegen schon früh beim Stich übertragen werden. Deshalb lohnt es sich, auch eine erst seit kurzer Zeit sitzende Zecke gleich zu entfernen.
Die Stelle anschließend über die nächsten Wochen im Blick behalten. Ein Foto und das Datum des Stichs können helfen, Veränderungen später einzuordnen. Eine sich ausbreitende Rötung oder neu auftretende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.
Fuchsbandwurm
„Iss keine Beeren im Wald, davon bekommt man den Fuchsbandwurm!“ Diesen Satz haben vermutlich viele schon gehört. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht.
Der Fuchsbandwurm lebt vor allem im Darm von Füchsen. Seine Eier gelangen mit dem Kot in die Umwelt. Nimmt ein Mensch solche Eier auf, kann daraus eine alveoläre Echinokokkose entstehen. Dabei wird vor allem die Leber geschädigt. Zwischen der Ansteckung und den ersten Beschwerden können viele Jahre liegen.

Die Erkrankung ist selten: In Deutschland werden jährlich wenige Dutzend Fälle gemeldet. Sie ist aber ernst und erfordert häufig eine Operation sowie eine langjährige Behandlung mit Medikamenten gegen den Parasiten.
Ob sich jemand über verschmutzte Hände, Lebensmittel oder auf einem anderen Weg angesteckt hat, lässt sich nach dieser langen Zeit meistens nicht mehr feststellen. Der Verzehr von Waldbeeren wurde bislang nicht als eindeutiger Risikofaktor nachgewiesen. Eine bestimmte Wuchshöhe, ab der Beeren garantiert sicher wären, lässt sich daraus aber ebenfalls nicht ableiten.
Für die Praxis helfen vor allem einfache Hygienemaßnahmen: Hände vor dem Essen waschen, Tierkot nicht anfassen und gesammelte Früchte oder Kräuter gründlich reinigen. Gründliches Erhitzen tötet die Eier ab; normales Einfrieren im Haushalt reicht dafür nicht aus.
Wer einen Hund hat, der Mäuse fängt und frisst, sollte mit dem Tierarzt über eine passende Kontrolle und Entwurmung sprechen. Hunde können sich über infizierte Nagetiere anstecken und anschließend selbst Eier ausscheiden.
Tollwut
Das Bild vom schäumenden, angriffslustigen Fuchs hält sich hartnäckig. Deutschland gilt jedoch seit 2008 als frei von der klassischen terrestrischen Tollwut. Für eine gewöhnliche Wanderung ist das Risiko deshalb sehr gering. Fledermäuse können allerdings weiterhin verwandte Tollwutviren tragen.
Eine verletzte oder auffällig zutrauliche Fledermaus sollte man deshalb nicht mit bloßen Händen aufnehmen. Wer gebissen oder gekratzt wurde oder Speichel an eine offene Wunde beziehungsweise an die Schleimhäute bekommen hat, muss das sofort ärztlich abklären lassen. Eine Bisswunde zunächst gründlich mit Wasser und Seife auswaschen.
Nach einem möglichen Tollwutkontakt kann eine rechtzeitig begonnene Behandlung den Ausbruch verhindern. Auf Beschwerden zu warten wäre hier gefährlich: Ist die Erkrankung ausgebrochen, verläuft sie nahezu immer tödlich. Auch wenn der Kontakt schon einige Tage zurückliegt, sollte man sich unbedingt noch ärztlich vorstellen. Eine starre 24-Stunden-Grenze gibt es nicht.
Tetanus
Für Wundstarrkrampf braucht es keine Begegnung mit einem Tier. Die Sporen des Erregers kommen unter anderem in Erde und Staub vor und können durch Verletzungen in den Körper gelangen. Eine verschmutzte Wunde beim Wandern ist deshalb ein guter Anlass, den eigenen Impfschutz zu überprüfen.
Bei Erwachsenen wird die Tetanus-Impfung normalerweise alle zehn Jahre aufgefrischt. Nach einer Verletzung kann je nach Art der Wunde und bisherigem Impfstatus schon früher eine Impfung oder eine zusätzliche Behandlung nötig sein. Wer nicht weiß, wann die letzte Impfung war, sollte das bei der ärztlichen Versorgung ausdrücklich sagen.
Noch angenehmer ist es natürlich, diese Frage schon vor einer längeren Wanderung mit einem Blick in den Impfpass zu klären.
Wildschweine
Wildschweine sind kräftig, schnell und mitunter erstaunlich gut darin, im Unterholz unsichtbar zu bleiben. Meist bemerken sie uns früher als wir sie und ziehen sich zurück. Eine Begegnung aus nächster Nähe kann trotzdem vorkommen, besonders wenn man ein Tier überrascht.
Dann hilft vor allem Abstand. Ruhig bleiben, langsam zurückziehen und dem Tier einen Fluchtweg lassen. Nicht auf das Wildschwein zugehen, um noch ein besseres Foto zu bekommen, und es keinesfalls in die Enge treiben. Bei einer Bache mit Frischlingen macht man einen großzügigen Bogen. Auch verletzte Tiere sollte man unbedingt in Ruhe lassen.

Auf ein Grunzen als rechtzeitige Warnung würde ich mich nicht verlassen. Wenn das Tier sehr nahe ist, sollte man den Abstand bereits vergrößern, statt erst abzuwarten, ob es sich unfreundlich äußert.
Wildschweine, die Menschen gewohnt sind, können weniger Abstand halten. Füttern verschärft dieses Problem. Auch ein scheinbar zutrauliches Wildschwein bleibt deshalb ein Tier, dem man besser Platz lässt.
Stürze, Stolpern und Ausrutschen
Nach den ganzen Krankheitserregern und Wildtieren kommen wir zu einer Gefahr, für die es weder Bakterien noch Hauer braucht: Eine nasse Wurzel, ein loser Stein oder ein unaufmerksamer Schritt reichen manchmal schon.
Gerade am Ende eines langen Wandertages werden die Beine müde und die Schritte ungenauer. Dann kann aus einem harmlosen Abstieg eine anstrengende Konzentrationsübung werden. Mit Vorbereitung, vernünftigem Tempo und passender Ausrüstung lässt sich hier einiges verbessern.
Die Kondition kommt nicht erst auf der großen Tour. Vorbereitungswanderungen helfen dabei, Beine, Füße und Rücken an die Belastung zu gewöhnen. Dabei sollte auch der Rucksack ungefähr das Gewicht haben, das später tatsächlich getragen wird. So merkt man rechtzeitig, ob Schuhe drücken, Gurte scheuern oder die geplante Etappenlänge doch zu ehrgeizig ist.
Gleichgewicht und Trittsicherheit lassen sich üben. Dafür muss man nicht gleich eine Slackline zwischen zwei Bäume spannen. Schon einfache Balanceübungen und bewusstes Gehen auf unterschiedlichen Untergründen können Teil der Vorbereitung sein. Man sollte dabei natürlich mit Aufgaben anfangen, die man sicher bewältigen kann.
Gute Schuhe müssen zum Fuß und zur Tour passen. Ein bekannter Markenname oder ein hoher Preis reichen als Auswahlkriterium nicht aus. Ich hatte einmal teure Wanderschuhe eines namhaften Herstellers, deren Sohlen bei Nässe und Temperaturen um den Gefrierpunkt so glatt wurden wie Schlittschuhe. Nach dieser Winterwanderung wusste ich jedenfalls sehr genau, worauf ich beim nächsten Paar achten würde.
Wanderstöcke können zusätzlichen Halt geben. Gerade bergab oder mit schwerem Rucksack sind sie hilfreich, wenn Länge und Einsatz passen. Wer damit noch wenig Erfahrung hat, probiert sie am besten bei den Vorbereitungstouren aus. Mehr dazu findet ihr in meinem Beitrag „Richtig gehen“.
Pausen gehören zur Etappenplanung. Wenn die Beine zittern und die Konzentration nachlässt, wird eine Pause nicht dadurch überflüssig, dass das Tagesziel noch zehn Kilometer entfernt ist. Eine vernünftig gewählte Strecke lässt genug Zeit zum Essen, Trinken und Ausruhen. Gerade bei den ersten längeren Touren würde ich lieber etwas kürzer planen.
In schwierigen Passagen darf es langsam gehen. Auf nassen Steinen, Wurzeln oder steilen Abstiegen setze ich die Füße lieber bewusst auf. Wer hinter mir schneller unterwegs ist, kann an einer geeigneten Stelle vorbeigehen. Sich hetzen zu lassen, hilft keinem.
Für Fotos und Griffe in den Rucksack stehen bleiben. Während des Laufens über die Schulter nach einer Flasche zu angeln, ist unnötig umständlich. Falls man an etwas schlecht herankommt, setzt man den Rucksack eben kurz ab. Dasselbe gilt für den Blick in die Ferne: Für eine schöne Aussicht darf man sich ruhig einen Moment Zeit nehmen.
Und wenn doch etwas passiert, sollten Erste-Hilfe-Material und Telefon erreichbar sein. Ein aufgefrischter Erste-Hilfe-Kurs gehört für mich deshalb genauso zur Vorbereitung wie die Packliste. Bei einem schweren Unfall erreicht ihr den Rettungsdienst über 112. Für die Helfer ist besonders wichtig, möglichst genau zu wissen, wo ihr euch befindet.
Welche Erfahrungen habt ihr unterwegs gemacht? Habt ihr einen praktischen Tipp, der euch schon einmal geholfen hat? Dann schreibt ihn gerne in die Kommentare.
