Der Westweg. Ältester Höhenweg im Schwarzwald, prämiert und ausgezeichnet. Quer durch den Schwarzwald von Nord nach Süd, von Pforzheim nach Basel.
Er führt zwar „nur“ durch ein Mittelgebirge, fordert aber dennoch mit seinem stetigen Auf und Ab, führt vorbei an weiten Blicken hinunter zum Rhein und hinüber bis zu den Vogesen, über Hochmoore, durch dunkle Nadelwälder, von Stürmen frei geschlagenen Flächen, an Seen vorbei und über Feldberg und Blauen bis nach Basel an der deutsch-schweizerischen Grenze.
Ein Bericht im Spiegel und Hochglanzfotos hatten mich in den Bann gezogen, ohne dass ich wusste auf was ich mich da einlasse. Allerdings hatte ich die erleichterte Variante gewählt, bei der man jeden Abend in einem Hotel einkehrt und dankenswerter Weise ein größeres Gepäckstück von Hotel zu Hotel befördert wird. So muss ich nicht gänzlich auf die Errungenschaften der Zivilisation, wie ein Bett, eine Dusche und ein anständiges Frühstück bzw. Abendessen verzichten und musste tagsüber nur einen Tagesrucksack mitnehmen, den ich je nach Etappe und Wetterlage anpassen kann.
Manche mögen diese Variante als "Weichei"-Variante bezeichnen. Quasi die "Rentnerversion" der Wanderung auf dem Westweg. Manche bezeichnen es auch als "Hummerwandern" in Abgrenzung zum “echten Wandern“ (= Zelten unterwegs).
Doch, hey!
Ein Stadtmensch wird nicht dadurch zum Naturburschen, weil er, nachdem er den halben Globetrotter-Laden leergekauft hat, mit seiner Ausrüstung im Freien übernachtet. Man wird auch noch nicht dadurch zum Survival-Experten, wenn man mit seiner auf ultraleicht-getrimmten Ausrüstung im Schwarzwald übernachtet, wenige Kilometer vom nächsten Dorf entfernt.
Dafür müsste man sich meiner Meinung nach schon wie Bear Grylls per Hubschrauber im australischen Outback oder brasilianischen Urwald absetzen lassen und nur mit einem Messer ausgerüstet seinen Weg zurück in die Zivilisation finden. Wobei der ja wohl auch die eine oder andere Szene nachgestellt hat.
Klar, es gibt z.B. die "Bush crafter"-Bewegung, bei der mit wenigen Mitteln und der richtigen Technik versucht wird in der "Wildnis" Deutschlands zu "überleben". Ich kann die Ideen dieser Bewegung auch gut nachvollziehen und bewundere auch manche Techniken, die hier Verwendung finden. Hat was von "Pfadfinder 2.0". Ich konnte mir aber damals als Anfänger noch nicht vorstellen bei Minustemperaturen nur mittels Tarp und Biwacksack in der Natur zu übernachten. Dies ist heutzutage anders, da mich damals der Outdoor-Virus gepackt hatte und ich seitdem viele Nächte allein im Wald verbracht habe, aber damals war das noch alles „Neuland“ für mich.
Damals war ich jedenfalls noch nicht bereit meine Herkunft als Stadtmensch mit einem gewissen Grundbedürfnis nach Komfort zu verleugnen.
Doch zurück zur Strecke: Mit ca. 285 km und fast 8000 Höhenmetern, ist die Strecke durchaus anspruchsvoll. Auch wenn man nicht direkt klettern muss, sind doch Wege dabei, die Trittsicherheit erfordern und natürlich ist eine gewisse Kondition gefragt, um die Aufgabe zu schaffen.
Gerade ich Büromensch fürchtete mich ein wenig davor, dass die schlaffen Muskeln und steifen Gelenke diese Reise nicht so einfach mitmachen. Also begann ich mit regelmäßigen Tagestouren als Training und zum Testen der Ausrüstung. Auch das Fitness-Studio sah ich mal wieder von innen, was die dortigen Trainer doch sehr überraschte.
Gleichzeitig plante ich die Tour selbst. Zwar war vieles schon vorgegeben: Tagesetappen und Übernachtungshotels, Tipps für Packlisten und diverse Reise- und Wanderführer, dennoch gab es vieles was ich für mich bedenken musste. Die Erfolge und Misserfolge auf dem Weg dahin habe ich hier in diesem Blog gesammelt.
Was mich natürlich am Anfang bewegte war die Frage, was ich nun mitnehmen soll. Was sollte in den Tagesrucksack, was in das "schwere Gepäck", das mich hoffentlich zuverlässig von Hotel zu Hotel begleiten würde. Die Packlisten findet ihr hier (inklusive den „lessons learned“, NACHDEM ich die Touren gewandert bin).
Trotz einiger Infos im Internet und in Büchern zum Westweg, fühlte ich mich in ein paar Bereichen nicht sehr gut informiert. So fehlten mir z.B. gute Hinweise bezüglich der Einkehrmöglichkeiten während des Tages. Zwar waren in den Karten z.B. Schutzhütten vermerkt, aber es fehlte mir bisher eine gute Übersicht wo – und vor allem zu welcher Tageszeit – man während einer Etappe gut mit Essen und Getränk versorgt wird.
Wir dürfen nicht vergessen, dass ich meine Tourvorbereitung 2016, also vor 10 Jahren machte. Inzwischen sind die Informationen deutlich verbessert worden. Damals war es noch deutlich schwieriger herauszufinden
ob z.B. die einzige bewirtete Hütte auf dem Weg Ruhetag hat, oder es gar keine bewirtete Einkehr gab. Doch, das kann ich vorweg nehmen, es stellte sich heraus, dass zumindest ich tagsüber kaum Hunger hatte. Vielleicht lag das an der körperlichen Belastung, vielleicht an dem guten Frühstück im Hotel, aber Hunger hatte ich fast nie und wenn, dann reichte ein Apfel oder ein Müsli-Riegel. Beim Durst sah es schon anders aus. Auch hier waren die Informationen bzgl. Quellen und Versorgungsstationen erstaunlich dünn gesät. Dabei kann man gerade beim Wasser viel Gewicht einsparen.
Wenn man weiß, dass man an zahlreichen Trinkwasserquellen vorbei kommt, kann man es sich sparen morgens schon mit voller Trinkblase oder Trinkflasche loszulaufen. Wenn man dann noch weiß, ob das Wasser sauberes Quellwasser oder evtl. doch nur Wasser aus einem Bach sein wird, dann kann man sich ebenfalls darauf einstellen, z.B. indem man einen Wasserfilter mitnimmt.
Andere "Unwägbarkeiten" über die ich mir Gedanken machte betrafen natürlich das Wetter auf dem Westweg. Ich wollte Ende August/Anfang September wandern, also zu einer Zeit in der es noch drückend heiß sein kann, oder aber auch regnerisch und kalt. Gerade der Schwarzwald ist für seine Wetterumschwünge bekannt, insbesondere in den höheren Lagen. Ich las Berichte aus früheren Jahren von Dauerregen, plötzlichem Nebel, ja sogar über früh einsetzenden Graupel oder Schnee.
Somit musste ich mit Sommergewittern, Starkregen oder Stürmen rechnen, die die Wanderung unter Umständen "interessant" machen konnten.
Gleichzeitig muss man aber gerade als Anfänger aufpassen sich nicht zu überladen. Erfahrene Wanderer kennen diesen Zielkonflikt zwischen Gewicht und angepasster Ausrüstung. Mit teilweise recht widersprüchlichen „Schulen“ von Ultra-Leicht-Wanderern und Puristen, bis hin zu Leuten, denen es nichts ausmacht mit 30 Kilogramm-Gepäck 30 Kilometer am Tag zu laufen.
Ich hoffte daher auf meinen Tagestouren meine Ausrüstung schon mal einem Test unterziehen zu können, und Unwichtiges und Überflüssiges aussortieren zu können.
Am Ende galt natürlich, kein Kriegsplan überlebt das erste Gefecht: Daher auch meine Bitte an euch liebe Leser: Nehmt meine Packlisten und Erfahrungen als Richtschnur, aber befolgt sie nicht „sklavisch“. Jeder Jeck ist anders und die Lösungen und Ausrüstungen müssen zu dir passen und zu niemand anderem.
Damals, am Beginn meiner Planungen, hatte ich noch viele Gedanken in meinem Kopf, die es zu sortieren galt. Ich finde man erkennt an meinem Blog sehr schön, wie die Entwicklung weiter ging und wie ich am Ende meine persönliche Lösung fand.
Interessante Seiten zum Weiterlesen:
- Tagestouren in Spessart, Odenwald und Taunus (zur Vorbereitung)
- Meine Packliste (mit Erfahrungen aus meiner Westwegwanderung)
- Meine Westwegwanderung (Übersichtsseite)
