Ich gebe zu, ich kannte den Westweg zunächst gar nicht. Ich verband Fernwanderwege vor allem mit den USA, wo es ja gleich mehrere berühmte Wege gibt, der berühmteste wahrscheinlich der Pacific-Crest-Trail oder kurz „PCT“, der von Mexiko an der Westküste der USA entlang bis hoch nach Kanada führt. Unser Westweg im Schwarzwald ist nicht annähernd so lang, aber dafür schon ziemlich alt. Schon im Jahr 1900 wurde er als Höhenweg durch den Schwarzwald eingeweiht und seitdem nimmt er eine Vorbildfunktion für die "Top Trails" in Deutschland ein. Er wurde seitdem zahlreich ausgezeichnet und trägt das Gütesiegel "Qualitätsweg wanderbares Deutschland", welches der deutsche Wanderverband vergibt. Voraussetzung hierfür ist unter anderem, dass nicht mehr als 20% der Strecke asphaltiert sein dürfen, eine Anforderung, die angesichts des fortschreitenden Ausbaus der Wald- und Wiesenwege für forst- und landwirtschaftliche Maschinen sicherlich nicht einfach einzuhalten ist. Eine alle drei Jahre notwendige Nachzertifizierung als Prädikatswanderweg garantiert die gleichbleibende hohe Qualität des Weges.
Als „Vater“ des Westwegs gilt Philipp Bussemer, ein Kaufmann aus Baden-Baden, der die Idee vorantrieb, Schilder anbrachte und 1902 den ersten Wanderführer veröffentlichte. Zusammen mit Julius Kaufmann markierte er die Strecke. Früher wanderten die Menschen in Sonntagsanzügen mit festen Lederstiefeln und legten Tagesetappen von bis zu 30 Kilometern zurück. Heute ist der Weg ein moderner, gut markierter Klassiker.
Gepflegt wird der Weg vom Schwarzwaldverein. Wenn man sich die unzähligen Wegmarkierungen vor Augen führt und die Tatsache, dass Wald und Weg sich stetig ändern, dann kann man ein Gefühl dafür bekommen, dass die Pflege keine leichte Aufgabe darstellt. Auf den Etappen trifft man heute noch auf Ehrenamtliche des Schwarzwaldvereins, die mit viel Hingabe Schilder freischneiden, Wege pflegen und ihre eigenen Geschichten über den Wandel von der Landwirtschaft zum Wandertourismus erzählen.
Die Gesamtstrecke des Weges beträgt ca. 285 km von Pforzheim nach Basel. Der höchste Punkt der Tour ist der Feldberg mit 1493 m, der niedrigste Punkt Hausach mit 237 m. Die Tour war zu meiner Wanderung in insgesamt 13 Etappen aufgeteilt, mit Gehzeiten zwischen ca. 4 und 8 Stunden am Tag. Es gab und gibt aber immer wieder Abwandlungen dieser Aufteilung mit einer Spannbreite zwischen 10 und 14 Etappen, und ich habe Videos von „Speedhikern“ gesehen, die die Strecke in unter 6 Tagen bewältigt haben (dann meist ohne größere Rast und Schlaf). Es gibt neben der bekannten Westvariante auch eine landschaftlich durchaus schöne, aber etwas unbekanntere Ostvariante, die sich im südlichen Abschnitt unterscheidet. Welche Variante man wählen will muss man spätestens in Titisee entscheiden. Die Westvariante ist allerdings die "klassische" Variante mit dem Highlight, dass die Tour über den Blauen und den Feldberg führt.
Die Wegmarkierung ist die berühmte rote Raute auf weißem Grund, nicht zu verwechseln mit Varianten davon, insbesondere der roten Raute auf weißem Grund mit weißem, senkrechten Strich. Diese Markierung markiert z.B. den "Mittelweg", der auf einer Länge von 233 km von Pforzheim nach Waldshut führt und östlicher durch den Schwarzwald führt.
Der besondere Reiz des Westwegs ist die abwechslungsreiche Landschaft, von Hochmoor bis subalpin, und die immer wiederkehrenden Aussichtspunkte bis weit ins Rheintal. Diese Vielfalt ist wirklich überraschend.
Links zum Weiterlesen
Westweg beim Schwarzwaldverein · Philipp Bussemer – Pionier des Westwegs (PDF) · Tourenportal des Schwarzwaldvereins
